KLAUS WEIßINGER

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Faust: Meine Veröffentlichungen

 


 

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Zuletzt aktualisiert: 18. August 2026

Den nachfolgenden Essay habe ich anlässlich der im Juli 2026 erreichten Download-Zahl meiner Dissertation vom Heidelberger Uni-Server von 50.000 veröffentlicht, um die zentralen Thesen meiner Arbeit noch einmal in zugespitzter Form zur Diskussion zu stellen. Hier findet man ihn auch als PDF:  ➢ Download Essay


Klaus Weißinger

Wie ein falsch verorteter Sumpf Faust zum Versager machte

Wie ist es möglich geworden, dass Faust in manchen heutigen Inszenierungen als sabbernder Lüstling über die Bühne kriecht? Warum gilt Goethes wichtigste literarische Figur in der neueren Rezeption häufig nur noch als Antiheld, der als blinder Illusionist moralisch wie ökonomisch tragisch scheitert? Diese heute weit verbreitete Auffassung beruht auf einem folgenreichen geographischen Missverständnis im 5. Akt von „Faust II“, das sich in Teilen der Forschung verfestigt und seitdem vielfältig weiterverbreitet hat. Dabei wurde der Sumpf, der angeblich alles von Faust Erreichte – sein Landgewinnungsprojekt – zerstören soll, schlichtweg falsch verortet. Verortet man ihn jedoch richtig, ergibt sich ein ganz anderes Bild.

Wenn man nur „Faust I“ im Blick hat, erscheint der kritische Blickwinkel durchaus als berechtigt. Der Protagonist lebt seine Triebe aus, lässt seine Geliebte, das junge Gretchen, sitzen und ist mit schuld an ihrem Tod und dem Tod ihrer Familie. »Heinrich! Mir graut‘s vor dir« sind Gretchens letzte Worte; sie bringen die Tragödie des ersten Teils auf den Punkt.

„Faust II“ ist jedoch ganz anders. »Wir sehn die kleine, dann die große Welt« (V. 2052), so lautet Mephistos Programm für Faust – aber der will nicht nur »sehn«, sondern auch schaffen. Durch einen Heilschlaf kann Faust die Erlebnisse der »kleinen Welt« hinter sich lassen und in der »großen Welt« ein neues Leben beginnen. Am Kaiserhof hilft er, die Finanzkrise durch die Einführung von Papiergeld kurzfristig zu überwinden. Das neue Geld wird jedoch hauptsächlich konsumiert; es entsteht eine Inflation, die das Reich später in eine neue Krise führt. Faust bringt es zuwege, sich mit der mythologischen Helena im antiken Griechenland zu verbinden und an ihrer Seite über ein neu geschaffenes Land mit Erfolg zu herrschen. Nach dem Tod des gemeinsamen Sohns kehrt er in die Realität zurück. Faust hat in den ersten drei Akten ökonomisches Handeln und das Regieren gelernt. Um seine weitreichenden Pläne einer Neulandgewinnung aus dem Meer umzusetzen, braucht er nur noch Landbesitz. Mithilfe Mephistos verhilft er dem Kaiser zum Sieg über den Gegenkaiser und erhält als Belohnung ein Lehen an »des Reiches Strand«. Während eines gewaltigen Zeitsprungs von knapp 50 Jahren betreibt Faust dort Neulandgewinnung und gestaltet eine blühende Kulturlandschaft nach seinen Vorstellungen.

Soweit scheint Fausts Lebensweg durch „Faust II“ insgesamt erfolgreich zu sein. Betrachtet man jedoch einen großen Teil der Faust-Sekundärliteratur der letzten Jahrzehnte, ist davon die Rede, dass Faust am Ende gescheitert sei. Dazu zwei Beispiele: Oskar Negt: „Fausts Karriere geht aus vom verzweifelten Intellektuellen und endet beim gescheiterten Unternehmer“ (Negt: Die Faust-Karriere. Göttingen. 2006. S. 282). Michael Jaeger: Faust sei ein „vermeintlicher Heroe“ und „eine veritable Unglücksfigur, die die Negation der gesamten Philosophie Goethes und aller Zivilisationsideale personifiziert“ (Jaeger: Global Player Faust oder Das Verschwinden der Gegenwart. Berlin. 2008. S. 12).

Worauf stützt sich die Ansicht dieser Autoren? Letztlich auf die Interpretation folgender vier Verse aus Fausts Schlussmonolog (fünfter Akt, V. 11559-62):

Ein Sumpf zieht am Gebirge hin,
Verpestet alles schon Errungene;
Den faulen Pfuhl auch abzuziehn,
Das letzte wär das Höchsterrungene.

Faust möchte einen Sumpf entwässern, der nach verbreiteter Ansicht das neugewonnene Land bedroht. Dazu kommt es vor seinem Tod nicht mehr. Viele Autoren folgern daraus, das ganze neugeschaffene Land sei nun dem Untergang geweiht und Faust nicht nur mit dem Neulandprojekt, sondern mit seinem kompletten Lebensentwurf gescheitert. Dagegen habe Mephisto gesiegt. Man übernimmt dazu auch die Aussage Mephistos (der ja ein „Lügenteufel“ ist), der »Wasserteufel« Neptun werde alles wieder zerstören, ohne zu fragen, wann diese »Prophezeiung« eintreten soll. Auch lässt man außer Acht, dass die errichteten Deiche immerhin seit knapp 50 Jahren bewiesen haben, dass sie den Elementen trotzen konnten.

Der falsch verortete Sumpf hat so wesentlich dazu beigetragen, dass sich die heute verbreitete Auffassung etablieren konnte, Faust sei ein Antiheld. Was für ein Irrtum! Es handelt sich um einen der hartnäckigsten Irrtümer der neueren Faust-Deutung. Ihm liegt vornehmlich die Annahme zugrunde, jener Sumpf befinde sich in dem vom Meer bereits abgerungenen Neuland. Das ist aber nicht möglich, denn er soll sich laut Text in der Nähe eines Gebirges befinden (»Ein Sumpf zieht am Gebirge hin«). Neulandgewinnung kann man in dieser Größenordnung nur an einem Flachmeer betreiben, und um ein solches handelt es sich hier; im neu gewonnenen Land kann also kein Gebirge sein. Die Autoren ignorieren dieses Problem oder sie meinen, dass die Deiche oder die Dünen als »Gebirge« zu verstehen seien oder dass Goethe vielleicht nur aus Versehen »Gebirge« geschrieben habe.

Ein zweiter zentraler Widerspruch in der Argumentation der Negativdeuter besteht darin, dass nicht berücksichtigt wurde, an welcher Stelle der Bau des geplanten Entwässerungsgrabens eigentlich beginnt. Der erste Spatenstich findet nämlich vor Fausts Palast statt (dass Mephisto stattdessen hier Fausts Grab ausheben lässt, ändert nichts an dem folgenden Argumentationsgang). Dieser Palast steht in unmittelbarer Nachbarschaft der Düne von Philemon und Baucis, also am ehemaligen Ufer des Meeres, bevor es von Faust zurückgedrängt wurde. Wenn der Sumpf, wie die Autoren denken, im Neuland läge, würde Faust den Entwässerungsgraben auf der höher gelegenen Seite beginnen lassen. Das wäre doch völlig unsinnig: Das Wasser müsste gegen das Gefälle abgeführt werden.

Man muss sich auch einmal deutlich vor Augen stellen, wie intensiv sich der alte Goethe, als er den fünften Akt schrieb (zwischen 1825 und 1831), fachlich mit dem Deich-, Kanal- und Hafenbau auseinandersetzte. Nur zwei Belege dafür: Nach der Sturmflut im Februar 1825 schickte Goethe Johann Peter Eckermann an die Unterelbe, damit dieser ihm von dem Geschehen und dem Wiederaufbau berichten konnte. Eckermann berichtet auch von seiner Begegnung mit Goethe am 10.2.1829, dass er ihn »umringt [fand] von Karten und Plänen in Bezug auf den Bremer Hafenbau, für welches großartige Unternehmen er ein besonderes Interesse zeigte« (Eckermann, Johann P.: Gespräche mit Goethe. Leipzig. 1987. S. 290). Goethe brachte all dem, was er seinen Faust im fünften Akt hat schaffen lassen, das größte Interesse entgegen und hatte sich intensiv über Neulandgewinnung und deren wirtschaftliche Voraussetzungen informiert, obwohl er selbst nie an der Nordsee gewesen war. Der fünfte Akt ist eine wunderbare Darstellung dieser Thematik, und das Norddeutsche Tiefland dient Goethe als Folie für die Landschaft, in der Faust wirkt, weil dort geographisch alles zusammenpasst.

Der Sumpf ist also nicht im bisher geschaffenen Neuland zu finden, wie viele Faust-Autoren denken, weil sie nämlich buchstäblich in die falsche Richtung geblickt haben. Man müsste sich nur einmal vorstellen, man stünde wie Faust auf der höchsten Düne, die er als ein »Luginsland« bezeichnet, »um ins Unendliche zu schaun« (V. 11344f). Zunächst überschaut man noch Fausts »Weltbesitz«, »zu sehn, was alles [er] getan«, dann würde man sich wie auch Faust äußerlich und innerlich um 180° umwenden und ins Hinterland blicken, wo Faust ein weiteres Neulandprojekt plant, indem er den dort sich befindenden Sumpf (»am Gebirge«!) austrocknen möchte. Diese Kehrtwende ermöglicht es erst, den Blick so zu erweitern, dass er sogar bis »ins Unendliche« reicht, wie Faust es sich erhofft. Aus dieser dann alles umfassenden Überschau heraus ist die im fünften Akt enthaltene Landschaft geographisch vollkommen stimmig. Im Norddeutschen Tiefland, das hier wie gesagt als Folie dient, ist es auch so, dass es das Gezeitenmeer und das fruchtbare Neuland (die Marsch) gibt, worauf weiter ins Landesinnere hinein die Geest folgt, dann auch viele Sümpfe, bis schließlich der Rand der Gebirge folgt (u.a. der Teutoburger Wald).

Nachdem sich Faust in den Besitz des »Luginslands« gebracht hat, lässt ihn die „Sorge“ erblinden. War er davor in einer ähnlich üblen Stimmung wie am Anfang von „Faust I“, ist er nun plötzlich voller Tatendrang, weil ihm das geplante neue Projekt der Sumpfaustrocknung im Hinterland vor dem inneren Auge steht. Er wendet also imaginativ seinen Blick vom Geschaffenen im bereits bestehenden Neuland zum noch zu Schaffenden ins Hinterland. Dieser imaginative Blick reicht dann über den Sumpf hinweg noch weiter zu den Bergschluchten, in denen kurz darauf nach seinem Tod sein himmlisches Dasein beginnt. Damit ist äußerlich und innerlich die Brücke geschlagen zu der letzten Szene „Bergschluchten“, in der sich Fausts Entwicklungsweg im »Unendlichen« fortsetzen wird (siehe Karte 1 und 2).

Landschaft im fünften Akt von Faust II mit Meer, Neuland, offenem Gebiet, Sumpf und Gebirge
Karte 1: Landschaft im fünften Akt von „Faust II“
Profilansicht der Landschaft im fünften Akt von Faust II mit geschaffenem Neuland, Entwässerungsgraben, Sumpf, Gebirge und Bergschluchten
Karte 2: Profilansicht der Landschaft im fünften Akt von „Faust II“

Das bisher geschaffene Neuland, von dem alle Figuren im fünften Akt nur positiv sprechen, ist als das große gelungene Wirtschaftsprojekt von Faust anzusehen, mit dem er alles, was er in „Faust II“ gelernt hat, umsetzt. In dieser Hinsicht ist Faust nicht gescheitert. Damit wird weder seine Schuld noch die Gewaltförmigkeit seines Vorgehens beseitigt. Die Zwangsumsiedlung mit Todesfolge von Philemon und Baucis bleibt die moralische Katastrophe von Fausts Unternehmen. Aber moralische Schuld und räumlich-technisches Scheitern sind nicht dasselbe. Gerade diese Kategorien werden in der Negativdeutung häufig miteinander vermengt. Es hat sich hier eben auch nicht, wie Rüdiger Safranski (In: Goethe – Kunstwerk des Lebens. München. 2013, S. 621) meint, der »beängstigende Horizont der großen Vergeblichkeit« eröffnet. Ebenso wenig handelt es sich, wie Hans Christoph Binswanger in Geld und Magie (2009) meint, um eine Fortsetzung der Geldmagie, um ein „Scheitern (…) des alchemistischen Bestrebens“ (S. 80) von Faust, sodass alles nur als Illusion uminterpretiert wird. Die geographische Deutung zeigt hingegen, dass die Landgewinnung innerhalb der dramatischen Welt als tatsächlich vollzogen vorausgesetzt wird, dass Faust in der »großen Welt« von „Faust II“ durchaus erfolgreich agiert hat und Mephistos Kräfte trotz mancherlei Korrumpierungen zu nutzen wusste.

Den umfassenden Nachweis für die geographische Deutung des fünften Akts hat der Autor dieser Zeilen in seiner Studie Goethes Faust: Ökonom – Landesplaner – Unternehmer (Frankfurt a. M. 2016) geführt. Diese Deutung ist in der Fachwelt nicht nur zur Kenntnis genommen, sondern von mehreren Forschern ausdrücklich positiv beurteilt worden. Bereits 2017 schrieb Dieter Borchmeyer im Goethe-Jahrbuch 134, die Studie sei „mit der dominierenden Negativsicht Fausts als eines gescheiterten Egomanen und Illusionisten ins Gericht gegangen“, sodass vom gescheiterten Unternehmer nicht mehr die Rede sein könne. Tim Willmann attestierte ihr 2019 in Germanistik (Band 60, Heft 1–2), sie vermöge „der Faust-Forschung neue Impulse zu geben“. Besonders deutlich äußerte sich schließlich Rüdiger Scholz in der 2. Auflage seiner Geschichte der Faust-Forschung (2022, S. 986): Er hebt nicht nur hervor, dass sich „Weißinger entschieden gegen die negative Bewertung von Fausts Kolonisationsprojekt“ wendet, sondern beurteilt auch die Beweisführung selbst als schlüssig: „Dass Fausts Kolonisationsprojekt nicht scheitert, beweist Weißinger schlüssig durch eine detailgenaue Analyse aller Ortsangaben für das Projekt in Goethes Text.“

In seinem wichtigsten literarischen Werk stellt Goethe mit seiner Faust-Figur den Menschen in seiner Auseinandersetzung mit dem Bösen dar. Faust scheitert immer wieder, ist aber auch immer wieder erfolgreich. Bis zu seinem Ende lässt er sich von dem Bösen nicht unterkriegen, sondern stellt es unablässig in seinen Dienst. Sein am Ende visionärer Blick über den Sumpf hinweg lässt sich zugleich als Vorausweisung auf die „Bergschluchten“ verstehen, in denen sein Weg nach dem Tod seine organische Fortsetzung findet. Das unermüdliche Streben, das eben stets auch mit Irrtum behaftet ist (»Es irrt der Mensch, solang‘ er strebt«, so der Herr im „Prolog“), führt zur nachtodlichen Metamorphose. Dort wird der Gelehrte zum spirituellen Lehrer der seligen Knaben, kurz nach der Geburt verstorbener Seelen, die über Faust sagen: »Dieser hat gelernt / Er wird uns lehren« (V. 12082). Faust soll ihnen alles über das Irdische beibringen, worüber sie durch ihren frühen Tod nichts haben erfahren können. Die versammelten himmlischen Wesen setzen in Faust ihr ganzes Vertrauen, denn sie wissen über ihn: »Wer immer strebend sich bemüht, / Den können wir erlösen«. Der Schluss des Dramas widersetzt sich daher der Reduktion Fausts auf eine gescheiterte Existenz, die dem Bösen unterliegt. Wer Faust dennoch darauf reduziert, muss jedenfalls erklären, warum Goethes Schluss diese Negativdeutung so auffällig unterläuft.

Es ist an der Zeit, Faust von seinem zeitgeistigen Zerrbild zu befreien. Das bedeutet nicht, aus ihm nachträglich einen Helden ohne Schuld zu machen. Goethe hat mit Faust nicht ausschließlich eine Warnung vor ungezügeltem Streben, sondern eine wegweisende Sicht des sich entwickelnden Menschen geschaffen. Faust verneint das Böse nicht, sondern setzt sich mit ihm auseinander und versucht, seine Ideale durch sinnvolles Tätigsein zu verwirklichen. Insofern spricht Faust auch uns moderne Menschen an.


Literatur:
Weißinger, Klaus: Besitz und Genuss in Goethes Faust. Dissertation. 2015
Weißinger, Klaus: Goethes Faust: Ökonom – Landesplaner – Unternehmer. Frankfurt a. M. 2016

Abbildungen: Holger Klotz

Erstveröffentlichung des Essays am 15.08.2026 auf www.klaus-weissinger.de

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Zuletzt aktualisiert: 06. März 2026

Faust, der Schöpfer und Kultivierer: Imaginäre Landschaftswelten und der Topos der Neulandgewinnung in Goethes Drama (2025) 

Symbolon Band 22

PETER LANG VERLAG und im Buchhandel (gebunden und E-book)

"Die Gesellschaft für wissenschaftliche Symbolforschung hat in diesem Band die Ergebnisse der vier Tagungen 2018 bis 2021 (...) zusammengestellt. „Reisen und Verweilen“ (2018) führte Referenten aus den Gebieten der Arabistik, der Wissenschaftsgeschichte, der Medizin, der Kulturwissenschaften, der Geschichte zusammen. Im inhaltlichen Aufbau schloss sich die Tagung von 2019 über „Phantastische Welten“ an mit einer Erweiterung des Spektrums der Vortragenden um die Fakultäten Germanistik und Theologie." (...) 

"Germanistik und Geografie verbinden sich in dem Beitrag von Klaus Weißinger über Goethes wohl berühmteste Figur, den Faust, der hier als „Schöpfer und Kultivierer“ erscheint. Faust sucht Helena, findet sie und schafft es, „sie dauerhaft real in ihrer imaginär griechisch-antiken Umgebung erscheinen zu lassen“. Faust hilft dem Kaiser und erhält dafür ein Stück Land am Strand, das er kultivieren will. Gerade in diesem Gestaltungswillen treffen sich imaginäre und realistische Landschaften."



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Zuletzt aktualisiert: 06. März 2026

Geographische und transzendente Entgrenzung im 5. Akt von Goethes "Faust" (2020)Faust Jahrbuch 2017 2019

AISTHESIS VERLAG und im Buchhandel (gebunden und E-book)

Bei dem Staufener Faust-Symposium 2016 der Internationalen Faust-Gesellschaft durfte ich am 3. Juni 2016 einen Vortrag über die geographische Deutung des 5. Akts unter dem Gesichtspunkt der Entgrenzung halten. Dieser Vortrag basierte auf dem entsprechenden Kapitel in meiner Dissertation "Besitz und Genuss in Goethes Faust",die Anfang 2016 auf dem HeidelbergerDokumentenserver in PDF-Form zum freien Download erschienen war. Zu dieser Zeit arbeitete ich an meinem Buch "Goethes Faust: Ökonom - Landesplaner- Unternehmer", das im November 2016 im Peter-Lang-Verlag erschien.

In dem Faust-Jahrbuch 2017-2019 erschien nun nicht nur mein später schriftlich ausgearbeiteter Vortrag, sondern auch der Beitrag Kommentar zu den Ausführungen von Klaus Weißinger (S.279-282) von Hans Christoph Binswanger. Dieser Kommentar basiert offensichtlich ausschließlich auf meinen damaligen mündlichen Ausführungen. Der Herausgeber des Jahrbuchs, Marco Lehmann-Waffenschmidt, spricht in seinem Vorwort davon, dass es "beim Staufener Faust-Symposium 2016 (...) zu einer denkwürdigen Diskussion zwischen Klaus Weißinger und Hans Christoph Binswanger" (S.7) gekommen sei, "deren Essenz der vorliegende Band" (S.7) in unseren beiden Beiträgen dokumentiere. Insofern bildet das Jahrbuch, das im Herbst 2020 erschienen ist, den Stand von März 2016 ab.

In meinem Buch "Goethes Faust: Ökonom - Landesplaner- Unternehmer", das im November 2016 erschienen ist, bin ich in dem Kapitel "Zur Choreographie von Fausts letzten Äußerungen" ausführlich auf Hans Christoph Binswangers bei dem Symposium geäußerten Gesichtspunkteeingegangen. Er ist leider im Januar 2018 verstorben.



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Zuletzt aktualisiert: 08. April 2026

Goethes Faust: Ökonom - Landesplaner - Unternehmer (2016)

Peter Lang Verlag und im Buchhandel (gebunden, PDF und EPUP), bei AmazonGoethes Faust: Ökonom - Landesplaner - Unternehmer

In dieser Studie stellt der Autor Fausts Werdegang vom Gelehrten zum Ökonomen, Landesplaner und Unternehmer dar und zeigt durch die innovative „geographische Deutung“ des fünften Akts, inwiefern durch Fausts Neulandgewinnung eine blühende Kulturlandschaft hat entstehen können. Bislang bestand in der Faust-Forschung weitgehend Konsens darüber, dass Faust am Ende des Dramas ein Egomane und ein Illusionist ist und dass dessen Neulandprojekt scheitern wird. Der Autor zeigt hier, dass ganz im Gegenteil Fausts wirtschaftliches Wirken und damit sein ganzes Leben (trotz so mancher Schattenseiten) von Erfolg gekrönt ist. Durch diese neue Sichtweise weist das Buch den Weg zu einem positiven Faust-Bild.

Wen es interessiert, hier war der "Fehlerteufel" am Werk.



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Zuletzt aktualisiert: 08. April 2026

Besitz und Genuss in Goethes Faust (2015)

(Dissertation, Heidelberg)Besitz und Genuss in Goethes Faust

➢ Kostenloser Download als PDF

➢ Inhaltszusammenfassung, unterteilt in die einzelnen Kapitel

Print-Versionen (Print on Demand):  

- Hardcover: Besitz und Genuss in Goethes Faust

- Softcover:  Besitz und Genuss in Goethes Faust

Hinweis: Immer wieder gibt es einige unseriöse Webseiten, die die Dissertation zum Download anbieten. Ich habe sie Anfang 2016 auf dem Server der Universität Heidelberg zur freien Verfügung veröffentlicht (Link oben).

Stand Jan. 2026: 48.193 legale Downloads.

Sie gehört mit durchschnittlich 4.819 Downloads pro Jahr (Stand 2026) zu den meistrezipierten germanistischen Online-Publikationen der Universität Heidelberg.

 heiDOK Downloads 2026 02 10

Quelle: https://archiv.ub.uni-heidelberg.de/volltextserver/19866/


Abstract

In dieser Arbeit über Goethes „Faust“ wird der Doppelmotivkomplex Besitz und Genuss mit den dazugehörenden Motiven Reichtum, Schatz, Gold, Geld, Herrscher und Knecht sowie Lust und Gier untersucht.

Der umfassende und systematische Untersuchungsblick ergibt neben grundlegenden Einsichten auch neue, überraschende Gesichtspunkte wie zum Beispiel hinsichtlich des Variantenreichtums des Goldmotivs. 

Ein wesentliches Forschungsergebnis ergibt sich aus der genaueren Untersuchung, wie Faust mit seinem Besitz umgeht, was insbesondere eine geographische Deutung des 5. Akts leistet. Es wird dadurch der Nachweis erbracht, dass Fausts Streben von einem wirtschaftlichen Erfolg, der Neulandgewinnung, gekrönt ist. Entgegen der Ansicht vieler Forscher wird die These vertreten, dass es Mephisto ist, der scheitert, und nicht Faust.

 "Ownership and indulgence in Goethe's Faust"

Übersetzung des Abstracts (Englisch)

This study on Goethe's Faust investigates the double-motif structure of ownership and indulgence and the appertaining motifs of wealth, treasure, money, master and servant as well as lust and greed.

Apart from fundamental insights this comprehensive and systematic research reveals new and surprising aspects, for example concerning the breadth and variety of the gold-motif.

A central research result emerges at closer inspection of the way in which Faust deals with his properties and this is notably achieved by a geographical reading of act V. Thus evidence is brought forth that in his reclamation of land Faust's efforts are crowned by economic success. Contrary to the position of many researchers this thesis makes the point that it is Mephisto who fails, not Faust.

 

 Wen es interessiert, hier war der "Fehlerteufel" am Werk.